4. Dezember 2020

Mit dem Motorrad durch Schweden

Welcher Biker träumt nicht davon, mit dem Motorrad auf Reisen zu gehen? Die traditionellen Ziele sind allerdings mittlerweile reichlich ausgelutscht, am Gardasee trifft man im Sommer mehr deutsche Motorradfahrer als Italiener. Warum also nicht einmal abseits der ausgetretenen Pfade reisen? Derzeit noch ein Geheimtipp, aber stark im Kommen sind Motorradreisen in den hohen Norden. Besonders Schweden eignet sich perfekt, um es auf zwei Rädern zu erkunden.

Motorradfahren im Norden – geht das?

Nun gilt Schweden ja traditionell nicht unbedingt als Motorrad-Land. Allerdings ist das ein Trugschluss. Die Schweden selbst sind begeisterte Biker, nennen mit Huskvarna eine absolute Traditionsmarke ihr Eigen und in den Sommermonaten gibt es perfektes Motorradklima.


Die Straßen in Schweden sind generell weitaus weniger befahren als in Mitteleuropa, so dass man absolut stressfrei dahingleiten kann. Wer beim Biken ein einmaliges Naturerlebnis sucht, ist in Schweden also genau richtig.
Durch den guten Kurs des Euro im Vergleich zur Schwedenkrone ist darüber hinaus Benzin in Schweden kaum teurer als in Deutschland, auch Lebensmittel und Übernachtungen sind im bezahlbaren Rahmen.
Die Anreise nach Schweden kann entweder auf Achse, per Fähre auf das dänische Seeland und von dort aus über die beeindruckende Öresund-Brücke ins schwedische Malmö erfolgen – oder bequem mit einem Autoreisezug, zum Beispiel von Hamburg bis nach Stockholm.

Die schönsten Ziele für Biker in Schweden

Je nach persönlichen Interessen weist Schweden ganz unterschiedliche Ziele für Motorradfahrer auf. Das Land bietet einerseits sanfte, grüne Hügel und lebhafte Städte im Süden, eine atemberaubende Felsküste, unberührte Wälder und kristallklare Seen in Mittelschweden und die letzte richtige Wildnis Europas in Lappland.


Eine herrliche Tour führt zum Beispiel auf der E4 von Stockholm bis hinauf an den Polarkreis. Immer wieder hat man dabei einen wunderbaren Ausblick auf die Ostsee. Die Straße ist zum größten Teil gut ausgebaut und führt auf einem nördlichen Abschnitt zwischen Härnosand und Örnsköldsvik direkt durch das Weltnaturerbe Höga Kusten, eine schroffe Felslandschaft mit unzähligen kleinen Schären. Hier empfiehlt es sich, einen Zwischenstopp einzulegen und das Gebiet auf einer Bootsfahrt zu erkunden. Weiter im Süden sollte man unbedingt einen Abstecher von der E4 nach Gamla Uppsala einplanen. Dort wurde eine gewaltige Kultstätte der Wikingerzeit entdeckt und immer neue Schätze kommen zum Vorschein. Außerdem sollte man zu Beginn oder zum Abschluss einer Reise entlang der E4 einen Aufenthalt in Stockholm nutzen, um sich diese Stadt am Mälarsee genauer anzuschauen. In der Altstadt gibt es in hellen Sommernächten ein einzigartiges Flair mit zahlreichen kleinen Cafes, Bars und Straßenkünstlern. Einen Ausflug wert ist auch das Vasa-Museum, wo eine nahezu perfekt erhaltene Galeere aus dem 16. Jahrhundert ausgestellt wird.


Sucht man eher die Einsamkeit, empfiehlt es sich, im Landesinneren von Schweden in nördlicher Richtung zu fahren, zum Beispiel von Göteborg aus die E45 entlang. Diese führt zuerst an die Westküste des Vänernsees, des größten Sees in Skandinavien. Dann dringt man immer tiefer in die unberührten Wälder von Dalarna ein. Am Siljansee in Mora, auch das Auge Schwedens genannt, der als einer der schönsten Seen der Welt gilt, gibt es einen wunderbaren Campingplatz, von wo aus man im kristallklaren Wasser des Siljan schwimmen kann. Ein Ausflug empfiehlt sich in den Naturpark von Orsa, wo man halbwild lebende Braunbären mit ihren Jungen beobachten kann. Nun hat man die Wahl: Auf der E45 auf direktem Wege weiter nach Norden, nach Östersund, oder in Sveg links abbiegen auf die Straße Nummer 84 nach Funäsdalen, mitten hinein in die Berge von Härjedalen. Auf dieser kaum befahrenen Straße trifft man mehr Rentiere als andere Fahrzeuge – und die Kurven hinauf auf die Passhöhen brauchen den Vergleich mit den Alpen nicht zu scheuen. Immer wieder kommt man dort an Hügelgräbern und eisenzeitlichen Felsmalereien vorbei, Natur- und Kulturerlebnis könnte man nicht besser kombinieren. Von Funäsdalen aus kann man über kleine Schotterpisten aus Richtung Åre weiterfahren. Das bekannteste Skiressort Skandinaviens lädt im Sommer zu Bergwanderungen ein, auch Rafting auf dem Fluss Indalsälv steht zur Auswahl. Von dort aus geht es auf der gut ausgebauten E14 zurück nach Osten in die jämtländische Hauptstadt Östersund.

Östersund

Auch Östersund ist ein noch beinahe unbekanntes und dennoch erwähnenswertes Reiseziel. Im Sommer kann man dort an der Uferpromenade am Storsee im Biergarten sitzen, im Freilichtmuseum auf den Spuren der Wikinger wandeln und als krönender Abschluss im Moose Garden nur eine halbe Stunde vom Stadtzentrum entfernt in Orrviken zahmen Elchen die samtigen Nasen kraulen.
Eine weitere Option besteht natürlich darin, eine Rundreise zu unternehmen, zum Beispiel an der norwegischen Fjordküste hoch bis zum Nordkap und an der schwedischen Ostseeküste zurück in den Süden. Dafür sollten allerdings allein schon wegen der schieren Wegstrecke mindestens drei Wochen eingeplant werden.

Die beste Reisezeit für Motorradreisen nach Schweden

Das Klima in Schweden ist natürlich durch seine nördliche Lage geprägt, dementsprechend sind die Winter schneereich, lang und kalt. Im Sommer allerdings hat Schweden einen entscheidenden Vorteil: Durch die norwegischen Berge ist es optimal vor regenreichem Atlantik-Wetter geschützt und durch die nördliche Lage wird es gleichzeitig nicht brütend heiß. Die optimalen Reisemonate für Motorradreisen erstrecken sich je nachdem, wie weit in den Norden vorgedrungen werden soll, also von Juni bis September.

Möchte man nach Lappland oder in die Berge von Härjedalen und Jämtland, sollte man sich auf Juli oder August beschränken, insbesondere, wenn draußen im Zelt übernachtet wird. Im nördlichen Schweden hat man dazu um Mittsommer die Möglichkeit, die berühmte Mitternachtssonne zu sehen – und fröhliche, ausgiebige Mittsommer-Parties in den Dörfern.
Im Winter mit dem Motorrad durch Schweden zu fahren verlangt einiges an Erfahrung: Die Straßen werden kaum geräumt, überall ist Schneefahrbahn. Einheimische ziehen daher Spikes auf. Für Gespannfahrer ist das durchaus eine Option, allerdings sollten Übernachtungen in Jugendherbergen eingeplant werden – nachts sinken die Temperaturen im Winter auch einmal auf -30 Grad.
Die südlicheren Provinzen wie Schonen oder Småland können durchaus auch im Frühling oder Herbst motorradtaugliches Wetter aufweisen, allerdings besteht das Risiko von längeren Regenperioden. Dementsprechend kann man um diese Jahreszeit Motorradfahren in Schweden nur kurzfristig planen.

Was man beim Motorradfahren in Schweden sonst noch beachten sollte

Prinzipiell ist Schweden sehr motorradfreundlich. Allerdings ist es dringend angeraten, sich an die Verkehrsregeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen (auf Autobahnen 110 oder 130 km/h, sonst 90 oder 70 km/h) zu halten – die Strafen für auch nur geringfügige Überschreitungen sind wesentlich höher als in Deutschland. Es gilt eine Null-Promille-Grenze. Außerdem sollte man auf das berühmte Elch-Warnschild tunlichst achten. Ein ausgewachsener Elchbulle hat gut und gerne 700kg, damit möchte man also nicht kollidieren.


Wichtig ist, beim Motorradfahren in Schweden die Tankanzeige im Auge zu behalten. Im Norden und in den dünn besiedelten Gebieten im Landesinneren liegen Tankstellen zum Teil mehr als 200km auseinander – und Handyempfang ist bei Weitem nicht überall vorhanden.

Dementsprechend sollte man immer eine großzügige Reserve einkalkulieren.
Wer in Schweden campen möchte, hat einen großen Vorteil: Das sogenannte Jedermannsrecht (Allemansrätten) erlaubt das Zelten immer und überall, solange dabei nichts geschädigt wird. In Naturschutzgebieten bestehen gewisse Regelungen, zum Beispiel keine Lagerfeuer, außerdem sollte man davon absehen, in privaten Gärten die Zelte aufzuschlagen.
Bereits bei der Reiseplanung sollte man beachten, dass weniger befahrene Straßen in Schweden häufig nicht geteert, sondern Schotterpisten sind. Fahrer von Choppern, Cruisern oder Supersportlern sollten sich also tunlichst an die größeren Straßen halten und auf keinen Fall blind einem Navi vertrauen – das berücksichtigt nämlich diesen Faktor bei der Routenwahl nicht.
Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: In Schweden heißt Öl Bier. Entsprechende Dosen sollte man lieber nicht in den Motor kippen. Motoröl dagegen wäre Oil.

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